Apothekenreform scheitert an Widerstand: Warum lokale Apotheken um ihre Zukunft kämpfen
Alan JunkApothekenreform scheitert an Widerstand: Warum lokale Apotheken um ihre Zukunft kämpfen
Die geplante Apothekenreform in Deutschland stößt auf starken Widerstand von Politikern und Branchenexperten. Kritiker monieren, dass zentrale Änderungen – wie die Erhöhung der Festgebühr auf 9,50 Euro – fehlen, während andere vor finanzieller Überlastung lokaler Apotheken warnen. Im Mittelpunkt der Debatte stehen zudem strengere Regeln für den Online-Vertrieb von Medikamenten und die Frage, inwieweit Pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA) Apotheken eigenständig führen dürfen.
Bernhard Seidenath, gesundheitspolitischer Sprecher der CSU, unterstützt die Forderung der Apotheken nach einer Anhebung der Festgebühr auf 9,50 Euro. Er betont, dass dieser Schritt entscheidend sei, um den Fortbestand lokaler Apotheken zu sichern und Patienten den Zugang zu Medikamenten zu erleichtern. Zudem spricht sich Seidenath für ein Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln aus und verweist dabei auf ähnliche Regelungen in anderen EU-Ländern.
Die Reform hat zudem breitere Bedenken hinsichtlich ungleicher Wettbewerbsbedingungen ausgelöst. Derzeit unterliegen Großhändler und Online-Apotheken anderen Vorschriften als stationäre Apotheken vor Ort. Seidenath und andere fordern eine strengere Kontrolle digitaler Anbieter, um gleiche Rahmenbedingungen zu schaffen.
Carolina Trautner, Apothekerin und Mitglied im Gesundheitsausschuss Bayerns, unterstreicht die Notwendigkeit stabiler und verlässlicher Apotheken vor Ort. Gemeinsam mit Seidenath argumentiert sie, dass starke lokale Dienstleistungen umso wichtiger werden, je weiter sich Online-Händler ausbreiten. Bernd Stocker, Regionalverkaufsleiter beim Pharmagroßhändler Noweda, warnt indes, dass viele Apotheken finanziell am Limit operieren. Zudem sinke die Zahl junger Apotheker, die in den Beruf einsteigen – ein alarmierendes Signal angesichts drohender Personalengpässe.
Politiker lehnen zudem Pläne ab, Pharmazeutisch-technischen Assistenten (PTA) die alleinige Leitung von Apotheken zu ermöglichen. Die Reform sieht lediglich befristete Vertretungsregelungen in ländlichen Gebieten vor – maximal 20 Tage pro Jahr –, schließt jedoch zentrale Aufgaben wie Impfungen aus. Bisher gibt es keine Anzeichen, dass die deutsche Debatte Auswirkungen auf die Rolle von PTA in anderen europäischen Ländern hat.
Die Apothekenreform bleibt umstritten. Gefordert werden höhere Gebühren, schärfere Online-Regeln und klarere Kompetenzen für PTA. Bleibt der Entwurf unverändert, drohen lokalen Apotheken laut Kritikern weitere finanzielle Belastungen. Die Entscheidung wird mitbestimmen, wie Patienten künftig an Medikamente kommen – und ob kleine Betriebe gegen die Konkurrenz der Online-Riesen bestehen können.






