30 March 2026, 12:33

Dietzenbach ehrt letzten jüdischen Gemeindevorsteher mit neuem Straßenname

Metallgedenktafel mit hebräischer Inschrift an der Seite eines Gebäudes angebracht.

Dietzenbach ehrt letzten jüdischen Gemeindevorsteher mit neuem Straßenname

Eine neue Straße in Dietzenbach trägt nun den Namen von Hermann Wolf, dem letzten jüdischen Gemeindevorsteher der Stadt vor der NS-Zeit. Die Einweihung des Hermann-Wolf-Wegs fand am 1. August 2023 statt – mit Nachfahren der Familie Wolf, die extra aus den USA angereist waren, um an der Feier teilzunehmen. Die Zeremonie markierte einen wichtigen Schritt, um die Erinnerung an die Stadtgeschichte und diejenigen wachzuhalten, die einst vor Verfolgung fliehen mussten.

Hermann Wolf lebte einst mit seiner Frau Emma und ihren sieben Kindern in der Bahnhofstraße 71. 1938 wurde die Familie von den Nationalsozialisten aus Dietzenbach vertrieben und musste ihr Zuhause zurücklassen. Wolf selbst war ein hochdekorierter Soldat des Ersten Weltkriegs und hatte als gewählter Vorsteher der jüdischen Gemeinde der Stadt gedient.

An der Straßenbenennung nahmen rund 20 Familienmitglieder aus den USA teil, darunter Howard Wolf, der Enkel Hermanns. Vor der Veranstaltung besuchten sie das ehemalige Wohnhaus ihrer Vorfahren, das heute in Privatbesitz ist. Howard Wolf bezeichnete den Anlass später als zutiefst bewegend und außergewöhnlich.

Die Initiative ging auf den Dietzenbacher Bürger Horst Schäfer zurück, der den Kontakt zur Familie Wolf herstellte und die Widmung organisierte. Bürgermeister Dr. Dieter Lang betonte in seiner Rede die Bedeutung, das Andenken an frühere Bewohner und ihre Schicksale zu bewahren. Bisher gibt es in Dietzenbach weder Stolpersteine noch andere bekannte Projekte, die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern.

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Die Benennung des Hermann-Wolf-Wegs ehrt eine Familie, die vor über 80 Jahren aus ihrer Heimat vertrieben wurde. Die Anwesenheit der Nachfahren bei der Feier verband Vergangenheit und Gegenwart. Gleichzeitig unterstrich die Veranstaltung die fortlaufenden Bemühungen der Stadt, sich auf greifbare Weise mit ihrer Geschichte auseinanderzusetzen.

Quelle