03 April 2026, 14:29

EMAF in Osnabrück zeigt umstrittene Künstlerin trotz Antisemitismus-Vorwürfen

Plakat für ein Münchner Festival mit einem Bild einer Frau umgeben von Menschen und Bäumen mit Text.

EMAF in Osnabrück zeigt umstrittene Künstlerin trotz Antisemitismus-Vorwürfen

Das European Media Art Festival (EMAF) in Osnabrück steht in der Kritik, weil es die palästinensische Künstlerin Rula Jebreal Al-Sharif in sein Programm aufgenommen hat. Ihr Kurzfilm "Morning Circle" wird im Rahmen der diesjährigen Ausgabe gezeigt, die unter dem Titel "Eine unvollendete Versammlung" das Thema künstlerische Freiheit erkundet. Im Mittelpunkt der Kontroverse stehen jedoch nicht ihre künstlerischen Arbeiten, sondern ihre politischen Äußerungen, die ihr den Vorwurf des Antisemitismus eingebracht haben.

Lokale und regionale Verantwortliche, darunter der Osnabrücker Kulturdezernent und Niedersachsens Ministerpräsident, haben sich öffentlich von der Entscheidung des Festivals distanziert, ihr Werk zu präsentieren.

Al-Sharif hat mit ihren öffentlichen Stellungnahmen wiederholt für Diskussionen gesorgt. 2023 bezeichnete sie auf X (ehemals Twitter) die Militäroperationen Israels im Gazastreifen als "Völkermord" und zog Parallelen zu Verbrechen der NS-Zeit. Zwischen 2021 und 2024 unterzeichnete sie Petitionen zur Unterstützung der BDS-Bewegung (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen) und rief in Interviews zum Boykott israelischer Waren auf. Anfang dieses Jahres trat sie bei MSNBC auf, wo sie die Handlungen der Hamas als "Widerstand" verteidigte und Israel als "Apartheidstaat" bezeichnete.

Die Stadt Osnabrück und Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) haben klar gemacht, dass sie die Einbindung Al-Sharifs nicht befürworten. Der Kulturdezernent Wolfgang Beckermann erklärte, er hätte es vorgezogen, wenn das Festival auf ihren Beitrag verzichtet hätte. Dennoch bleibt die Förderung des EMAF gesichert – Kürzungen wurden nicht angekündigt.

Befürworter argumentieren, dass Al-Sharifs Äußerungen in sozialen Medien unter die Meinungsfreiheit fallen. Thomas Groß, Oberbürgermeisterkandidat der Linken in Osnabrück, sprach sich gegen das Zum-Schweigen-Bringen palästinensischer Stimmen aus. Das Festival selbst hat eine Tradition darin, vielfältige Perspektiven einzubeziehen, darunter auch Kooperationen mit palästinensischen Künstlern sowie jüdischen und israelischen Beitragenden.

Das diesjährige Motto des EMAF, "Eine unvollendete Versammlung", setzt sich direkt mit Fragen der künstlerischen Freiheit und Zensur auseinander. Die Veranstalter haben Al-Sharifs Film nicht zurückgezogen und betonen, dass das Festival ein Raum für offenen Dialog und Debatte bleibe.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Der Film der Künstlerin wird wie geplant im Programm gezeigt. Zwar haben sich politische Vertreter distanziert, finanzielle Konsequenzen für das EMAF gibt es jedoch nicht. Die Veranstaltung bleibt damit eine Plattform für komplexe Diskussionen über Meinungsfreiheit, künstlerischen Ausdruck und die gegensätzlichen Standpunkte im israelisch-palästinensischen Konflikt.

Quelle