EU-Pläne für Gebrauchtwagen-Kennzeichnung sorgen für Aufruhr bei deutschen Händlern
Gordana GnatzEU-Pläne für Gebrauchtwagen-Kennzeichnung sorgen für Aufruhr bei deutschen Händlern
Der Plan der Europäischen Kommission, die standardisierte Fahrzeugkennzeichnung auf Gebrauchtwagen auszuweiten, stößt bei deutschen Händlern auf scharfe Kritik. Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) bezeichnet den Vorschlag als undurchführbar und warnt vor erheblichen rechtlichen und betrieblichen Hindernissen für die Branche.
Nach dem Entwurf der Kommission müssten Gebrauchtfahrzeuge künftig verpflichtend mit Angaben zu Kraftstoffverbrauch und Emissionen gekennzeichnet werden. Bisher gelten diese Regeln nur für Neuwagen und sollen die veraltete Richtlinie 1999/94/EG ersetzen. Der ZDK argumentiert, dass die Übertragung derselben Standards auf ältere Modelle gravierende Probleme mit sich bringt.
Viele Gebrauchtwagen wurden ursprünglich nach dem älteren NEFZ-Prüfsystem (Neuer Europäischer Fahrzyklus) zertifiziert, während neuere Fahrzeuge die strengeren WLTP-Messwerte (Worldwide Harmonised Light Vehicles Test Procedure) nutzen. Händlern fehlen die technischen Möglichkeiten, zwischen diesen Standards umzurechnen – und der ZDK betont, dass solche Umrechnungen ohnehin keinen Nutzen für Käufer hätten. Zudem weisen gebrauchte Fahrzeuge oft Modifikationen auf, was die Ermittlung präziser Verbrauchsdaten erschwert – wenn nicht gar unmöglich macht.
ZDK-Präsident Thomas Peckruhn hat das Bundeswirtschaftsministerium aufgefordert, in Brüssel einzugreifen. Er warnt, dass die Regeln – falls umgesetzt – Händler dazu zwingen könnten, den Handel mit älteren Gebrauchtwagen vollständig einzustellen. Der Verband hat ein acht Punkte umfassendes Positionspapier veröffentlicht, in dem er fordert, die Kennzeichnungspflicht auf Neuwagen zu beschränken. Zudem lehnt der ZDK verpflichtende Angaben zum Batteriezustand bei gebrauchten Elektroautos ab.
Über die technischen Herausforderungen hinaus plädiert der Verband für klarere Verantwortlichkeiten zwischen Herstellern, Online-Plattformen und Händlern. Eine einheitliche Marktüberwachung in der gesamten EU ist ein weiteres zentrales Anliegen, um eine uneinheitliche Umsetzung zu vermeiden.
Die Einwände des ZDK spiegeln tiefe Bedenken hinsichtlich der Umsetzbarkeit des Kommissionsplans wider. Ohne Nachbesserungen könnten die Regeln den Gebrauchtwagenmarkt durcheinanderbringen und für Händler erhebliche Rechtsunsicherheit schaffen. Der Verband setzt sich weiterhin für eine überarbeitete Lösung ein, die unnötige Belastungen für den Handel vermeidet.






