Fußball-WM entfacht Deutschlands verhaltenen Patriotismus – doch warum nur dann?
Tomislav PaffrathFußball-WM entfacht Deutschlands verhaltenen Patriotismus – doch warum nur dann?
Deutschland hat ein schwieriges Verhältnis zur nationalen Identität. Viele Bürger tun sich schwer damit, ihren Patriotismus offen zu zeigen – selbst bei großen Anlässen. Die Fußball-Weltmeisterschaft jedoch löst im Land regelmäßig eine seltene Welle nationaler Begeisterung aus.
2013 nahm Angela Merkel bei einer Wahlabendveranstaltung eine deutsche Flagge von Hermann Gröhe entgegen, der damit wedelte. Die damalige Bundeskanzlerin mied bewusst Begriffe wie „Vaterland“ oder „deutsches Volk“ – ein Zeichen für die allgemeine Zurückhaltung der politischen Führung bei offener patriotischer Symbolik. Diese Vorsicht ist besonders in linksliberalen Kreisen verbreitet, wo nationale Bekundungen oft als umstritten gelten.
Alle vier Jahre ändert die WM diese Dynamik. Das Turnier bringt eine Euphorie mit sich: Fans schmücken Autos und Häuser in Schwarz-Rot-Gold. Eine aktuelle Arte-Dokumentation deutet sogar an, dass die patriotische Stimmung während der WM 2006 später Bewegungen wie Pegida oder die AfD begünstigt haben könnte.
Während der Alltagspatriotismus hierzulande meist verhalten bleibt, schaffen Großereignisse wie die WM vorübergehende Ausnahmen. Für viele sind es seltene Momente, in denen sie ihre nationale Verbundenheit ohne Vorbehalte zeigen können. Die Beziehung des Landes zu Flagge und Identität bleibt im Wandel – geprägt von Geschichte und Gegenwart.






