GDL droht Verlust der Tariffähigkeit – Bahn-Streiks ab nächster Woche möglich
Gordana GnatzGDL droht Verlust der Tariffähigkeit – Bahn-Streiks ab nächster Woche möglich
Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) sieht sich mit rechtlichen Herausforderungen konfrontiert, die ihre Fähigkeit zur Tarifverhandlung infrage stellen. Der Streit entzündet sich an der Gründung von FairTrain, einer Personalgenossenschaft der GDL, die Lokomotivführer von der Deutschen Bahn anwirbt und ihnen unter verbesserten Bedingungen zurückverleiht. Arbeitgeber haben die Angelegenheit nun vor Gericht gebracht und argumentieren, dass die Doppelfunktion der GDL als Gewerkschaft und Arbeitgeber einen Interessenkonflikt schafft.
Falls keine Einigung erzielt wird, müssen sich Fahrgäste bereits ab nächster Woche auf mögliche Streiks einstellen. Besonders betroffen könnte die Region Bergisches Land sein, wo es bei einer weiteren Zuspitzung des Konflikts zwischen der GDL und der Deutschen Bahn zu erheblichen Behinderungen kommen könnte.
Auslöser des Konflikts war die Gründung von FairTrain durch die GDL. Die Genossenschaft wirbt gezielt Lokomotivführer der Deutschen Bahn an und bietet ihnen attraktivere Arbeitsbedingungen. Im Rahmen dieser Konstruktion verhandelte die Gewerkschaft mit FairTrain einen Tarifvertrag, der deutlich bessere Bezahlung und Leistungen vorsieht als die bestehenden Vereinbarungen der Deutschen Bahn. Kritiker werfen der GDL jedoch vor, dass die engen personellen Verflechtungen zwischen Gewerkschaftsführung und FairTrain ihre Unabhängigkeit untergraben.
Der Arbeitgeberverband der Deutschen-Bahn-Unternehmen (AGV MOVE) hat nun beim Hessischen Landesarbeitsgericht eine Klage eingereicht. Die Arbeitgeber behaupten, die GDL erfülle aufgrund ihrer doppelten Rolle nicht mehr die gesetzlichen Voraussetzungen für Tarifverhandlungen. Sollte das Gericht der Klage stattgeben, müsste die GDL FairTrain möglicherweise auflösen, um ihre Verhandlungsrechte zurückzuerlangen.
Die GDL, die ihre Mitgliederzahl seit 2021 von etwa 35.000 auf über 40.000 steigern konnte, setzt sich für höhere Löhne und kürzere Arbeitszeiten im Schichtdienst ein. Doch der laufende Rechtsstreit könnte ihre künftige Verhandlungsmacht entscheidend beeinflussen.
Unterdessen drohen weitergehende Arbeitskämpfe. Die GDL hat mit längerfristigen Streiks gedroht, die vor allem in zentralen Regionen zu erheblichen Einschränkungen führen könnten, falls die Gespräche keine Fortschritte bringen.
Das Hessische Landesarbeitsgericht muss nun entscheiden, ob die GDL ihre Tariffähigkeit behält. Ein negatives Urteil könnte die Gewerkschaft zwingen, FairTrain umzustrukturieren oder langfristig mit Einschränkungen bei Tarifverhandlungen zu leben.
Fahrgäste sollten sich bereits ab nächster Woche auf mögliche Verspätungen und Ausfälle einstellen. Der Streit verdeutlicht die wachsenden Spannungen zwischen der Deutschen Bahn und ihren Lokomotivführern in Fragen von Bezahlung, Arbeitszeiten und der Unabhängigkeit der Gewerkschaft.






