Gebärdensprachdolmetscher soll Krankenkassen um über eine Million Euro betrogen haben
Tomislav PaffrathGebärdensprachdolmetscher soll Krankenkassen um über eine Million Euro betrogen haben
Deutsche Behörden haben einen großangelegten Betrugsfall aufgedeckt, in den ein Gebärdensprachdolmetscher verwickelt ist, der beschuldigt wird, gefälschte Rechnungen eingereicht zu haben. Der 57-jährige Verdächtige aus Deutschland soll seit 2019 Krankenkassen um mehr als eine Million Euro betrogen haben. Ermittler durchsuchten die Wohnung des Mannes und beschlagnahmten Beweismaterial im Zusammenhang mit dem Betrugsschema.
Die Zentralstelle zur Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität im Gesundheitswesen (ZSMS) übernahm die Federführung in den Ermittlungen. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, gestohlene oder gefälschte Arztstempel, erfundene Dienstleistungsnachweise und manipulierte Auftragsformulare genutzt zu haben, um für nie erbrachte Leistungen abzurechnen. Fast 3.500 Rechnungen mit einem Gesamtvolumen von über einer Million Euro wurden als betrügerisch eingestuft.
Bei der Durchsuchung des Anwesen des Verdächtigen beschlagnahmten die Behörden Dokumente, mehrere Mobiltelefone sowie Luxusgüter im Wert von etwa 40.000 Euro. Der Fall ist Teil eines größeren Musters von Abrechnungsbetrug im medizinischen Sektor. Seit 2019 sind mindestens 15 ähnliche Fälle mit Gebärdensprachdolmetschern bekannt geworden, vor allem in Nordrhein-Westfalen und Bayern.
2021 wurden in Dortmund acht Dolmetscher angeklagt, in diesem Jahr folgten in München fünf weitere Verfahren. Die Zentralstelle zur Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität im Gesundheitswesen (ZMWK) koordiniert solche Ermittlungen in Hessen und konzentriert sich auf komplexe Betrugs- und Korruptionsfälle im Gesundheitsbereich. Gemeinsam mit der ZSMS geht sie gegen kriminelle Machenschaften von Hilfs- und Therapiedienstleistern vor.
Die jüngste Festnahme unterstreicht die anhaltenden Bemühungen, Betrug im deutschen Abrechnungssystem des Gesundheitswesens zu bekämpfen. Mit mehreren Verfahren seit 2019 gehen die Behörden weiterhin gegen gefälschte Rechnungsmanipulationen vor. Die Ermittlungen laufen noch, während die Beamten die beschlagnahmten Beweise auswerten.






