Kölner Stadtarchiv-Einsturz: Wie eine Baustelle zur Mahnstätte wird
Sofia ReisingKölner Stadtarchiv-Einsturz: Wie eine Baustelle zur Mahnstätte wird
Ein seit langem verzögerter Bauplatz im Kölner Severinsviertel trägt noch immer die Narben eines tragischen Einsturzes. Vor über 15 Jahren stürzte das Historische Archiv der Stadt ein, begrub 1,7 Millionen historische Dokumente unter sich und forderte zwei Menschenleben. Nun, da die Arbeiten an der Nord-Süd-U-Bahn-Strecke wiederaufgenommen werden, bleibt das Gelände eine schmerzhafte Erinnerung an vergangene Versäumnisse.
Die Katastrophe ereignete sich 2009, als das Archiv während der Ausgrabungen für die U-Bahn-Linie in sich zusammenbrach. Zwei junge Männer, die in benachbarten Häusern lebten, kamen ums Leben, als die Gebäude einstürzten. Der Einsturz beschädigte zudem mehrere historische Kirchen, die Risse bekamen und sich neigten.
Eine spätere Untersuchung förderte zutage, dass kritische Stahlträger vor dem Unglück gestohlen und an einen Schrotthändler verkauft worden waren. Dennoch zogen sich die juristischen Verfahren jahrelang hin. Es folgten Verurteilungen und Freisprüche, doch bis 2024 wurden alle noch ausstehenden Anklagen fallen gelassen.
Die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), die das Projekt trotz fehlender Erfahrung mit derart groß angelegten Baumaßnahmen leiteten, gerieten massiv in die Kritik. 2022 brachte der Künstler Reinhard Matz mit Klage in acht Tafeln eine Installation an der Bauzunzaun an, die den Einsturz und seine Folgen darstellte. Die Baustelle selbst blieb unvollendet – erst 2023 wurde eine teilweise Betonverfüllung abgeschlossen.
Nun soll der provisorische Beton entfernt werden, während die U-Bahn-Arbeiten fortgesetzt werden. Unterdessen setzt sich die Aktivistengruppe ArchivKomplex für eine Mitsprache bei den Neugestaltungsplänen ein. Sie fordert eine würdige Erinnerung an die Katastrophe und ein Mitbestimmungsrecht bei der zukünftigen Bebauung des Geländes.
Der Einsturz des Kölner Stadtarchivs hinterließ tiefe Spuren – sowohl physisch als auch emotional. Mit dem Ende der juristischen Auseinandersetzungen und dem langsamen Voranschreiten der Bauarbeiten rückt nun die Frage in den Vordergrund, wie dieser Ort in Erinnerung bleiben soll. Die Entfernung des provisorischen Betons markiert eine neue Phase, doch für viele sind die Wunden von 2009 noch lange nicht verheilt.






