06 May 2026, 16:28

"Scientology-Speedrun": Warum Jugendliche für Klicks in Sektenzentren eindringen

Eine Gruppe von Menschen hält Protestschilder und Banner auf einer Stadtstraße mit Gebäuden, Pflanzen und einer "Chaos"-Straßenmalerei im Hintergrund.

"Scientology-Speedrun": Warum Jugendliche für Klicks in Sektenzentren eindringen

„Scientology-Speedrun“: Neuer TikTok-Trend erreicht Deutschland – Jugendliche stürmen Zentren für Klicks

Ein neuer TikTok-Trend mit dem Namen Scientology-Speedrun hat Deutschland erreicht: Junge Menschen dringen in Scientology-Zentren ein, um online Aufmerksamkeit zu erhaschen. Bei der Challenge geht es darum, in Gebäude einzudringen, Etagen wie Spiellevel zu behandeln und Sicherheitskräfte als Hindernisse zu überwinden. Der erste bekannte Vorfall in Deutschland ereignete sich im Scientology-Zentrum an der Otto-Suhr-Allee im Berliner Bezirk Charlottenburg.

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Mittlerweile hat sich der Trend auf andere Städte ausgeweitet – einige Teilnehmer haben sogar den Bundestag als nächstes Ziel ins Auge gefasst. Die Herausforderung besteht darin, so weit wie möglich in die Gebäude vorzudringen, bevor man gestoppt wird. Sicherheitskräfte werden dabei wie nicht spielbare Charaktere (NPCs) in einem Videospiel behandelt, jede Etage gilt als neues Level, das es zu „besiegen“ gilt. Während manche die Eindringlinge als eine Form des Aktivismus betrachten – angesichts der langjährigen Kontroversen um Scientology –, geben viele Teilnehmer offen zu, dass es ihnen allein um Unterhaltung geht.

In Deutschland ist solches Hausfriedensbruch strafbar und kann mit Geldstrafen oder sogar Haft bis zu einem Jahr geahndet werden. Eine Berliner Bloggerin, die einen solchen Speedrun organisiert hatte, wurde von der Polizei vernommen und musste mit möglichen Anklagen rechnen, nachdem sie ihre Personalien angegeben hatte. Scientology selbst hat unterdessen die Sicherheitsvorkehrungen in einigen US-Niederlassungen verschärft, zu den Vorfällen in Deutschland gab es jedoch bisher keine offizielle Stellungnahme.

Scientology bleibt in Deutschland eine kleine, aber aktive Gruppe mit rund 3.600 Mitgliedern (Stand 2024). Im Mittelpunkt der Organisation steht die Verbreitung ihrer Lehren und die Schaffung sogenannter „Clears“ – Menschen, die laut Scientology durch ihre Methoden „geistige Vollkommenheit“ erreicht haben sollen.

Trotz der rechtlichen Risiken planen Nutzer weiterhin weitere Eindringlinge, teilen ihre „Erfolge“ online und animieren andere zum Mitmachen. Der Trend zeigt keine Anzeichen einer Abflachung – in sozialen Medien werden offen die nächsten Aktionen diskutiert. Die deutschen Behörden warnen, dass Hausfriedensbruch konsequent juristisch verfolgt werde. Scientology, ohnehin schon unter Beobachtung, sieht sich nun zusätzlichem Druck ausgesetzt, da seine Einrichtungen zu Zielen viraler Challenges werden.

Quelle