Wie Hindenburg 1926 den deutschen Flaggenstreit mit einer radikalen Entscheidung beendete
Sofia ReisingWie Hindenburg 1926 den deutschen Flaggenstreit mit einer radikalen Entscheidung beendete
Deutschlands erbitterter Flaggenstreit erreichte im Mai 1926 einen Wendepunkt. Jahrelang hatte der Konflikt die Nation gespalten: Die Rechte unterstützte Schwarz-Weiß-Rot, die Linke beharrte auf Schwarz-Rot-Gold. Schließlich griff Reichspräsident Paul von Hindenburg mit einer neuen Verordnung ein, um die Spannungen zu entschärfen.
Der Streit hatte sich über die Jahre zugespitzt und das alltägliche Leben auf unerwartete Weise durchdrungen. Schulkinder stritten sich über die Farben ihrer Mützenbänder, Kirchen diskutierten über die Fahnen auf den Kirchtürmen, und selbst Badende bauten Sandburgen in den verfeindeten Farben. Bis zur Reichspräsidentenwahl 1925 hatte sich die Spaltung in zwei Lager verfestigt: den „Schwarz-Rot-Gold-Volksblock“ und den „Schwarz-Weiß-Rot-Reichsblock“.
Frühere Versuche, den Konflikt beizulegen, waren gescheitert. Der „Reichskunstwart“ sollte zwar eine einheitliche „Reichsflagge“ entwerfen, doch eine Einigung blieb aus. Hindenburg versuchte zunächst am 9. Mai mit einem offenen Brief, die Krise zu beruhigen, und rief zu einem verfassungskonformen Kompromiss auf. Später folgte er einem Vorschlag des überparteilichen Reichskanzlers Hans Luther, der unter Druck der „Deutschen Volkspartei“ (DVP) stand, die alten kaiserlichen Farben wiederherzustellen.
Am 5. Mai 1926 erließ Hindenburg die „Zweite Flaggenverordnung“. Die Nationalversammlung hatte bereits einen Kompromiss ausgehandelt: Schwarz-Rot-Gold als Nationalflagge, während die Handelsflagge beide Farbgebungen vereinte. Die neuen Regeln sahen vor, dass deutsche diplomatische Vertretungen außerhalb Europas beide Versionen hissen mussten – die Nationalfarben neben der Handelsflagge, die im Oberliek die kaiserlichen Töne trug.
Die Verordnung sollte einen Streit beenden, der Deutschland jahrelang entzweit hatte. Nun mussten diplomatische Missionen beide Fahnen zeigen – eine Mischung aus alten und neuen Symbolen. Zwar blieben Spannungen bestehen, doch die Entscheidung bot eine formale Lösung für einen langwierigen Konflikt.






