Zuckergehalt in Erfrischungsgetränken: Ministerium steht wegen geschönter Zahlen in der Kritik
Gordana GnatzZuckergehalt in Erfrischungsgetränken: Ministerium steht wegen geschönter Zahlen in der Kritik
Bundeslandwirtschaftsministerium unter Beschuss: Zuckerrückgang in Erfrischungsgetränken deutlich geringer als behauptet
Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gab kürzlich bekannt, der Zuckergehalt in Erfrischungsgetränken sei zwischen 2018 und 2024 um 15 Prozent gesunken. Unabhängige Berichte zeichnen jedoch ein anderes Bild. Kritiker werfen dem Ministerium nun vor, die tatsächlichen Zahlen zu beschönigen – just in dem Moment, in dem die Regierung eine neue Zuckersteuer für 2028 vorbereitet.
Die behauptete 15-prozentige Reduktion des Ministeriums bezieht sich lediglich auf einen gewichteten Durchschnitt marktrelevanter Getränke – nicht auf alle untersuchten Produkte. Interne Daten des Max-Rubner-Instituts zeigen, dass der tatsächliche Rückgang nur bei 9,1 Prozent lag. Zudem verschwiegen die Behörden in ihrer Pressemitteilung, dass die 15-Prozent-Angabe auf einer kleineren Stichprobe aus dem Jahr 2018 beruhte und methodische Unsicherheiten aufwies.
Weitergehende Analysen ergaben, dass sich der Zuckergehalt in Erfrischungsgetränken seit 2022 kaum verändert hat. Besonders brisant: Getränke in kindgerechter Verpackung enthielten 2024 sogar 23 Prozent mehr Zucker als noch 2019. Trotz dieser Zahlen wies das Ministerium Vorwürfe der Täuschung zurück und beharrte darauf, die 15-prozentige Senkung gelte für 80 Prozent des Marktes.
Ab 2028 soll nun eine Zuckersteuer auf zuckerhaltige Getränke erhoben werden, die jährlich rund 450 Millionen Euro einbringen soll. Die geplanten Sätze sehen vor, dass Getränke mit weniger als fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter steuerfrei bleiben, während Produkte mit fünf bis acht Gramm Zucker 26 Cent pro Liter kosten sollen – bei höheren Konzentrationen steigt der Aufschlag auf 32 Cent. Luise Molling von der Verbraucherorganisation Foodwatch kritisierte, das Ministerium übertreibe minimale Fortschritte, um strengere Regulierungen zu vermeiden.
Die Einführung der Zuckersteuer ist für 2028 vorgesehen, mit erwarteten Einnahmen von 450 Millionen Euro pro Jahr. Doch unabhängige Studien widersprechen den Behördendarstellungen eines deutlichen Zuckerrückgangs – besonders bei Kindergetränken. Die Diskrepanz zwischen offiziellen Aussagen und Forschungsergebnissen bleibt damit ein zentraler Streitpunkt.






