29 June 2026, 18:58

Bachmann-Preis 2024: Scharfe Kritik an Literaturszene und emotionale Preisträger:innen

In Frontal Opposition zu Allem

Bachmann-Preis 2024: Scharfe Kritik an Literaturszene und emotionale Preisträger:innen

Die Bachmann-Preis-Jury, die in diesem Jahr ausschließlich aus sieben Frauen bestand, hat ihre Hauptpreise vergeben. Der mit 30.000 Euro dotierte Hauptpreis sowie der Publikumspreis gingen an Schaette für ihren Text Was wir tragen – eine eindringliche Auseinandersetzung mit der lebenslangen Gewalt, der übergewichtige Menschen ausgesetzt sind. Bei der Veranstaltung gab es zudem scharfe Kritik an den finanziellen Realitäten der Literaturszene.

Das Festival fand unter glühender Sommersonne statt, mit Lesungen und Debatten im vertrauten Rahmen von Klagenfurt. Zu den Preisträgern zählte Kinga Tóth, die den KELAG-Preis für ihren sprachlichen Witz und ihr polyphones Erzählstil erhielt, der die alltäglichen Demütigungen eines „Ostblock-Mädchens“ einfing. Ozan Zakariya Keskinkılıç wurde mit dem Deutschlandfunk-Preis für Vater ohne Sohn ausgezeichnet, eine sinnliche und zugleich zurückhaltende Erzählung über einen schwulen Vater zwischen Liebe und Verantwortung.

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Slata Roschal übte eine schonungslose Kritik am Literaturbetrieb und prangerte schlecht bezahlte Stipendien sowie die kargen Honorare an, von denen Autor:innen leben müssen. Anschließend verließ sie demonstrativ die Bühne, direkt nach ihrer Lesung, und weigerte sich, mit der Jury ins Gespräch zu kommen.

Die Jury selbst thematisierte die wirtschaftlichen Ungleichheiten innerhalb der Literaturkritik und wies darauf hin, dass Einfluss und Anerkennung oft vom Geld abhängen. Gleichzeitig stellten sie wiederkehrende Motive in den eingereichten Texten fest – etwa das des „Flecks“ –, das für Heiterkeit sorgte, aber auch subtil prekäre Lebensumstände widerspiegelte. Trotz strenger Prüfung wurden nur wenige Texte komplett abgelehnt, da die Jury erfreut über einfallsreiche Ideen und markante Prosa war.

Schaette erhielt den höchsten Preis für ihre schonungslose Darstellung systemischer Diskriminierung. Die Preisverleihungen und Diskussionen unterstrichen sowohl künstlerische Leistungen als auch die finanziellen Kämpfe in der Literaturszene. Das Festival endete wie gewohnt mit einer Mischung aus Feier und Kontroverse.

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