"Die Deutschen" zeigt den zermürbenden Kampf der Hanau-Angehörigen um Gerechtigkeit
Gordana GnatzWird Rassismus immer noch nicht ernst genommen? - "Die Deutschen" zeigt den zermürbenden Kampf der Hanau-Angehörigen um Gerechtigkeit
"Die Deutschen" – Ein neuer Dokumentarfilm begleitet die Angehörigen der Hanau-Opfer über fast fünf Jahre
Der neue Dokumentarfilm "Die Deutschen" begleitet die Familien der Hanau-Opfer über nahezu fünf Jahre. Der Film untersucht ihren Kampf um Gerechtigkeit nach dem rassistischen Anschlag eines Rechtsextremen, der 2020 neun Menschen mit Migrationshintergrund ermordete. Regisseur Marcin Wierzchowski begann kurz nach der Tat mit den Dreharbeiten – getrieben von den offensichtlichen rassistischen Motiven des Attentäters.
Der Anschlag von Hanau ereignete sich im Februar 2020, als ein rechtsextremer Täter neun Menschen aus Migrantencommunities erschoss. Obwohl seine rassistische Gesinnung eindeutig war, relativierten die Behörden diesen Aspekt zunächst. Der Filmemacher Marcin Wierzchowski erkannte früh die Notwendigkeit, die Folgen der Tat zu dokumentieren, und begleitete die Angehörigen der Opfer bereits wenige Tage später.
Über viereinhalb Jahre hinweg hielt Wierzchowski fest, wie sich ihre Trauer in Wut verwandelte. Die Familien sahen sich mit wiederholten Versäumnissen der Behörden konfrontiert, die ihrer Ansicht nach Warnsignale ignoriert und die Ermittlungen unzureichend geführt hatten. Ihre Frustration trieb sie dazu, eine Arbeitsgruppe zu gründen, um Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen und systemische Mängel bei der Aufarbeitung des Anschlags aufzudecken.
Der Dokumentarfilm stellt auch die Frage, ob die Tragödie hätte verhindert werden können. Er zeigt Widersprüche im Verhalten der Behörden auf und wirft die Frage auf, ob der Fall mit der nötigen Dringlichkeit behandelt wurde. Durch intime Interviews und Archivmaterial zeichnet der Film den unermüdlichen Kampf der Angehörigen nach Antworten nach.
"Die Deutschen" feierte auf der Berlinale 2025 Premiere und gewann den Hessischen Filmpreis. Später wurde der Film auf 3sat ausgestrahlt und erreichte so ein breiteres Publikum. Der Film dokumentiert nicht nur die persönlichen Schicksale der Familien, sondern setzt sich auch mit den größeren Themen Rassismus und institutionelles Versagen auseinander.
Der Dokumentarfilm hat bereits Debatten über strukturellen Rassismus und die Frage der Verantwortung in Deutschland ausgelöst. Indem er den Angehörigen der Opfer eine Stimme gibt, stellt er offizielle Darstellungen infrage und fordert eine kritische Auseinandersetzung mit der Aufklärung von Hassverbrechen. Die Auszeichnung auf der Berlinale und die TV-Ausstrahlung sorgen dafür, dass seine Botschaft ein noch größeres Publikum erreicht.