FDP-Streit eskaliert: Hagens Interview mit Junger Freiheit spaltet die Partei
Tomislav PaffrathFDP-Streit eskaliert: Hagens Interview mit Junger Freiheit spaltet die Partei
In der Freien Demokratischen Partei (FDP) ist eine Debatte entbrannt, ausgelöst durch ein Interview, das Generalsekretär Martin Hagen der Jungen Freiheit gegeben hat – einem Medium mit Verbindungen zur extremen Rechten. Die Entscheidung löste scharfe Kritik aus den eigenen Reihen aus und legt tiefe Gräben innerhalb der Partei offen, insbesondere in der Frage, wie mit rechtspopulistischen Medien umgegangen werden soll.
Die frühere FDP-Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger positionierte sich an der Spitze der Kritik. Sie verurteilte Hagens Schritt und bezeichnete die Junge Freiheit als „tabu“, mit der Warnung, das Interview könne die rechtsextreme AfD salonfähig machen. Auch Der Spiegel kommentierte die Angelegenheit und sprach von einem Bruch mit einer journalistischen „Brandmauer“.
Hagen verteidigte seine Entscheidung und argumentierte, die Junge Freiheit sei zwar konservativ ausgerichtet, aber weder unseriös noch verfassungsfeindlich. Gleichzeitig distanzierte er sich ausdrücklich von einer Zusammenarbeit mit der AfD, deren ethnonationalistische und antiwestliche Haltungen er als unvereinbar mit den Werten der FDP bezeichnete. Unterstützung erhielt er von der Vorstandskollegin Susanne Seehofer, die betonte, wie wichtig es sei, über die eigenen politischen Filterblasen hinaus Dialog zu führen.
Die Auseinandersetzung spitzte sich weiter zu, als die ehemalige Staatssekretärin Sabine Döring ihre Teilnahme an einer FDP-nahen Podiumsdiskussion absagte – aus Protest gegen das gewählte Diskussionsforum. Ihr Rückzug spiegelt die wachsende Verunsicherung in der Partei wider. Hagen selbst beklagte unterdessen einen Verfall der öffentlichen Debattenkultur: Die Gesellschaft habe „verlernt, wie man streitet“, und sehe Meinungsverschiedenheiten zunehmend als Bedrohung für die Demokratie an.
Der Streit zeigt die innerparteilichen Spannungen der FDP im Umgang mit rechtspopulistischen Kräften auf. Hagens Haltung unterstreicht zwar die klare Abgrenzung der Liberalen zur AfD, doch die Affäre wirft grundsätzliche Fragen auf: Wie soll der Umgang mit umstrittenen Medien aussehen, und wo verlaufen die Grenzen des politischen Diskurses in Deutschland?
