Kassel testet bahnbrechende Wasserlösungen gegen Dürre und Klimawandel
Gordana GnatzKassel testet bahnbrechende Wasserlösungen gegen Dürre und Klimawandel
Dürre und Klimawandel belasten Deutschlands Trinkwasserversorgung. Als Reaktion darauf ist Kassel zur Pilotstadt für das im März 2025 gestartete Projekt "Flexilience" geworden. Die Initiative zielt darauf ab, die Wasserverfügbarkeit zu sichern und gleichzeitig energieeffiziente Lösungen zu erproben.
Das mit 2,6 Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Vorhaben konzentriert sich darauf, die Wasserversorgung Kassels widerstandsfähiger zu machen. Aktuell bezieht die Stadt ihr Wasser aus mehreren Quellen, darunter zwei Quellgebiete, Tiefbrunnen und Grundwasseranreicherung. Doch sinkende Grundwasserstände und rückläufige Erträge geben Anlass zur Sorge.
Ein zentraler Innovationsschritt ist eine neue Ultrafiltrationsanlage, die trübes Quellwasser aus dem Habichtswald aufbereitet. Damit soll die Versorgung auch bei Extremwetter sichergestellt werden. Zudem untersuchen Forscher, ob Pumpspeicher- und Wasserspeichersysteme ähnlich wie Batterien funktionieren könnten – vergleichbar mit einem Pumpspeicherkraftwerk.
Neben der Filtration wird das Projekt testen, ob sich aus dem bisher ungenutzten Rückspülwasser der Filter Wasserstoff gewinnen lässt. Gelingt dies, hätte das einen doppelten Nutzen: Es würde nicht nur die Wasserversorgung stabilisieren, sondern auch saubere Energie erzeugen.
Kassel ist nicht die einzige Stadt, die ihre Wassersysteme anpasst. Im Ruhrgebiet wurden seit Juli 2025 die Abflussmengen der Talsperren reguliert. Berlins Masterplan Wasser von 2022 umfasst über 30 Maßnahmen, darunter eine bessere Steuerung des Wasserflusses und die Speicherung von Regenwasser. Bayern erprobt versiegelungsfreie Flächen, Rückhaltebecken und blau-grüne Infrastruktur, während am Bodensee seit 2016 eine Agri-Photovoltaik-Forschungsanlage betrieben wird.
Ziel ist es, die Wasserentnahme nachhaltig zu steigern und die Versorgung in Kassel und dem benachbarten Vellmar flexibler zu gestalten. Die Erkenntnisse aus dem Projekt sollen mit Wasserversorgern in ganz Deutschland und Europa geteilt werden.
"Flexilience" verbindet Wassersicherheit mit energetischer Innovation. Sollten die Tests zur Wasserstoffgewinnung und -speicherung erfolgreich verlaufen, könnten sie als Modell für andere Regionen dienen, die unter Klimastress leiden. Die Ergebnisse werden die künftigen Strategien des Wassermanagements in Deutschland und darüber hinaus prägen.






