"Ringel, Ringel, Reihe": Warum das Kinderlied wohl keine Pest-Erinnerung ist
Tomislav Paffrath"Ringel, Ringel, Reihe": Warum das Kinderlied wohl keine Pest-Erinnerung ist
„Ringel, Ringel, Reihe“ – ein harmloses Kinderlied statt düsterer Pest-Erinnerung?
Das Kinderreimchen „Ringel, Ringel, Reihe“ (im Englischen „Ring Around the Rosie“) wird seit langem mit finsteren historischen Ereignissen in Verbindung gebracht. Viele glauben, es beziehe sich auf die Beulenpest oder den Schwarzen Tod. Doch Experten gehen mittlerweile davon aus, dass es sich schlicht um ein harmloses Kinderspiel ohne bedrohlichen Hintergrund handeln könnte.
Die früheste gedruckte Fassung des Reims erschien erst 1881 im englischen Sprachraum – ein Zeitpunkt, der eine Verbindung zur Großen Pest von London im Jahr 1665 unwahrscheinlich macht. Andere vermuten einen Bezug zur Pestepidemie des 14. Jahrhunderts, doch damals war die Einäscherung von Leichen in England verboten, was diese Theorie schwächt.
Einige Deutungen behaupten, der Text beschreibe Pest-Symptome und Todesfälle: Die „Röslein“ sollen demnach den typischen Hautausschlag symbolisieren, die „Tüchlein“ (im Original „posies“) die Schutzkräuter, die man bei sich trug, und das „Umfallen“ den Tod selbst. Doch da der Reim in unzähligen Varianten existiert, lässt sich kein eindeutiger Ursprung nachweisen.
Historische Belege deuten auf eine ganz andere Entstehung hin. Möglicherweise begann der Reim als ein deutsches Sangesspiel für Kinder im 18. Jahrhundert. Im 19. Jahrhundert könnte er von Jugendlichen genutzt worden sein, um sich spielerisch über religiöse Tanzverbote hinwegzusetzen.
Da es keine handfesten Beweise für einen Pest-Bezug gibt, wird der Reim heute dem Volksgut zugeordnet. Sein wahrer Zweck scheint ein einfaches, verspieltes Kinderlied zu sein – und das Fehlen konkreter Hinweise stützt diese unschuldige, unhistorische Erklärung.






