22 March 2026, 22:30

Vinge/Müllers radikales Peer Gynt sprengt an der Volksbühne alle Grenzen

Ein Buch mit dem Titel 'The Theatre: A Monthly Review of the Drama, Music, and the Fine Arts' ist auf einer Seite mit Text und einem Logo geöffnet.

Vinge/Müllers radikales Peer Gynt sprengt an der Volksbühne alle Grenzen

Das norwegisch-deutsche Theaterduo Vinge/Müller bereitet sich an der Berliner Volksbühne auf seine letzte Übergangsspielzeit vor. Ihre Eröffnungsproduktion Peer Gynt verspricht, ebenso provokant und unberechenbar zu werden wie ihre früheren Arbeiten. Bekannt dafür, Grenzen auszuloten, halten die beiden das Publikum stets bis zum letzten Moment in Spannung.

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Die anstehende Inszenierung wird acht Stunden dauern – das von Arbeitsschutzbestimmungen zugelassene Maximum –, obwohl die Regisseure ursprünglich ein 48-Stunden-Marathon planten. Ihr radikaler Ansatz sorgt in Berlins Kulturszene gleichermaßen für Begeisterung wie für Diskussionen.

Vinge und Müller machten erstmals mit unkonventionellen Methoden auf sich aufmerksam. Einmal verwehrten sie dem Publikum den Zutritt zum Theater und zwangen es, später zurückzukehren. Ein anderes Experiment fand in einem temporären Spielort in Berlin-Reinickendorf statt, wo keine zwei Aufführungstage gleich waren.

Ihre Produktionen verwischen oft die Grenze zwischen Kunst und Provokation. Für Peer Gynt haben sie den Theatersaal und das Foyer mit Ida Müllers chaotischen Wimmelbildern gefüllt – überladenen, farbenfrohen Szenen voller Popkultur-Anspielungen, von Fußballstars bis zu Pornodarstellern. Die Aufführung selbst wird als brutal und überzeichnet beschrieben, mit extremer Gewalt, Polizeibrutalität und verstörenden Familiendynamiken. Jede Konfrontation wird bis an ihre absolute Grenze getrieben.

Das Verhältnis des Duos zur Volksbühne war stets ambivalent. Nach dem Tod des früheren Intendanten Frank Castorf galten sie kurzzeitig als mögliche Nachfolger. Doch die Position ging schließlich an Matthias Lilienthal, während Vinge/Müller in einer Übergangsrolle blieben. Ihre jüngste Arbeit verweist auch auf aktuelle Verluste: In einer Szene spielt Vegard Vinge, mit kindlicher Maske, einen Künstler, der um den Tod des Dramaturgen Carl Hegemann trauert und sich durch ein Meer verworfener Gemälde kämpft.

Trotz ihres polarisierenden Rufs wird ihre letzte Spielzeit an der Volksbühne unvergesslich. Das achtstündige Peer Gynt – wenn auch kürzer als ursprünglich geplant – wird Ausdauer von Darstellern und Zuschauern gleichermaßen verlangen. Die Mischung aus Spektakel, Schockmomenten und Durchhaltevermögen spiegelt die langjährige Weigerung des Duos wider, sich klassischen Theaterkonventionen zu unterwerfen.

Die letzte Übergangsspielzeit unter Vinge/Müller schließt ein Kapitel der Volksbühne. Ihr Peer Gynt füllt den Raum mit intensiven Darbietungen und eindrucksvollen Bildern. Auch wenn ihre Zeit als interimistische Leitung endet, bleibt ihr Einfluss auf Berlins experimentelle Theaterszene unbestritten.

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