Gockels radikale Wallenstein-Neuinterpretation elektrisiert München mit siebenstündigem Theatermarathon
Gockels radikale Wallenstein-Neuinterpretation elektrisiert München mit siebenstündigem Theatermarathon
Eine kühne Neuinszenierung von Schillers Wallenstein feiert Premiere an den Münchner Kammerspielen
Regisseur Jan-Christoph Gockel hat das Drama aus dem 17. Jahrhundert mit modernen Themen wie Kriegsprofiteertum und Macht verbunden. Die Aufführung dauerte sieben Stunden inklusive Pausen und beeindruckte durch markante Bilder – von einer Küchenplatte als Schlachtfeld bis hin zu Samuel Kochs marionettenhaftem Auftritt.
Der Abend begann mit einer Lecture-Performance des russischen Künstlers Serge, der das Leben des Kriegsunternehmers Jewgeni Prigoschin beleuchtete und Parallelen zu Schillers Wallenstein zog. Mit Humor – darunter ein Harry-Potter-Zauber, der Angst in Lachen verwandelte – verglich Serge das Kochen mit den Mechanismen des Krieges.
Die Bühne verwandelte sich daraufhin in eine lange Küchenarbeitsplatte, auf der das Ensemble während des Spiels Essen zubereitete und gleichzeitig Wallensteins Soldaten verkörperte. Diese Szene gab den Ton für Gockels stark gekürzte Fassung von Schillers Text vor, die sich auf Verrat und die Brutalität von Konflikten konzentrierte.
Ein zentrales Element war der Auftritt von Samuel Koch, dessen gelähmter Körper mithilfe einer speziellen Vorrichtung wie eine Puppe bewegt wurde. Kochs kurzer, aber eindringlicher Auftritt – gesteuert von Michael Pietsch – unterstrich die Themen Kontrolle und Verwundbarkeit. Seine Darstellung Wallensteins erntete besondere Anerkennung.
Die Inszenierung verband zwei Erzählstränge: Wallensteins historischen Aufstieg und Fall sowie Prigoschins moderne Kriegswirtschaft. Unter dem Titel Schlachtenfest in sieben Gängen lud die Performance das Publikum ein, Verbindungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu ziehen – unterstützt durch sinnliche Erfahrungen, die die Wirkung vertieften.
Gockels Produktion griff tief in Schillers Original ein und fügte zeitgenössische Ebenen hinzu. Kochs Puppenspiel, das Küchenschlachtfeld und Serges Lecture schufen einen einzigartigen Dialog zwischen Geschichte und Gegenwart. Die siebenstündige Spieldauer, unterbrochen von Pausen, ermöglichte eine immersive Auseinandersetzung mit den anhaltenden Folgen des Krieges.
Gockels radikale Wallenstein-Neuinterpretation elektrisiert München mit siebenstündigem Theatermarathon
Sieben Stunden lang taucht das Publikum in eine Welt aus Kriegsprofiteuren, Puppenspiel und kulinarischer Metaphorik ein. Gockels Wallenstein ist kein Stück – es ist ein Schlachtenfest, das Schiller mit Prigoschin verbindet und die Sinne überflutet.
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